VNL: Lehrkräfteausbildung reformieren ja, aber zielgerichtet statt ideologisch

VNL: Lehrkräfteausbildung reformieren ja, aber zielgerichtet statt ideologisch

  • Lehrkräfteausbildung reformieren ja, aber zielgerichtet statt ideologisch
  • Kein Stufenlehramt – klare Absage an den „Einheitslehrer“
  • Mehr Praxis statt mehr Theorie mit klarer Schulformorientierung

Der VNL – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte unterstützt die aktuelle Debatte über eine Reform der Lehrkräfteausbildung ausdrücklich. „Es ist offensichtlich: Die Ausbildung muss sich stärker an der Realität in den Schulen orientieren. Wir warnen jedoch vor falschen Weichenstellungen, die bestehende Probleme verschärfen könnten“, so Torsten Neumann, VNL-Landesvorsitzender.

Aus Sicht des VNL ist klar: Die Lehrerausbildung ist derzeit zu theoretisch, zu wenig verzahnt und zu weit entfernt vom tatsächlichen Schulalltag. Der sogenannte „Praxisschock“ im Referendariat ist kein Einzelfall, sondern systemisch bedingt.

Der Verband fordert eine deutliche Ausweitung der Praxisanteile bereits im Studium. Angehende Lehrkräfte müssen frühzeitig erleben, was Unterricht wirklich bedeutet: heterogene Lerngruppen, soziale Herausforderungen, Leistungsunterschiede und pädagogische Grenzsituationen. Theorie allein reicht nicht. Entscheidend ist die Anwendung im Klassenzimmer.

Studium, Vorbereitungsdienst und Schule müssen endlich ineinandergreifen. Die derzeitige Trennung führt dazu, dass Inhalte doppelt oder gar nicht vermittelt werden. Hier braucht es klare Strukturen, verbindliche Kooperationen und ein gemeinsames Ausbildungskonzept.

Der Vorschlag einer sogenannten Stufenlehrerausbildung – also eines einheitlichen Lehramts für die Jahrgänge 5 bis 10 unabhängig von der Schulform – ist aus Sicht des VNL der falsche Weg.

Die Realität im niedersächsischen Schulsystem ist vielfältig. Die Anforderungen an Lehrkräfte unterscheiden sich massiv:

  • Hauptschule: hohe Heterogenität, intensive pädagogische Begleitung, Fokus auf Grundbildung und Lebensweltorientierung
  • Realschule: Mischung aus Praxisbezug und weiterführender Theorie
  • Gymnasium: stärker fachwissenschaftlich orientierter Unterricht

Ein Einheitslehrer kann diese Unterschiede nicht ausreichend abbilden.

Eine schulformübergreifende Ausbildung birgt die Gefahr, dass Lehrkräfte zu stark fachlich und zu wenig pädagogisch ausgebildet werden. Genau das wäre das falsche Signal. Schulen brauchen keine reinen Fachvermittler, sondern pädagogisch handlungsfähige Persönlichkeiten, die mit unterschiedlichsten Schülergruppen umgehen können.

Neumann abschließend: „Ja, die Lehrkräfteausbildung muss reformiert werden. Aber: Wir brauchen mehr Praxis statt mehr Theorie, klare Schulformorientierung statt Einheitsmodell sowie pädagogische Kompetenz statt rein fachlicher Ausbildung. Wer die Realität an den Schulen ernst nimmt, darf die Vielfalt des Systems nicht ignorieren. Der VNL fordert daher eine Reform mit Augenmaß – nicht eine Reform um jeden Preis.“

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