VNL - Statement mit Blick auf das 2. Halbjahr
- Unterrichtsversorgung an Ober- und Hauptschulen mit durchschnittlich 91,7 Prozent weiterhin deutlich schlechter als der Gesamtdurchschnitt von 97,2
- Weiterhin Mangel an genügend Unterstützungspersonal für alle Schulen
Die Ausführungen der Kultusministerin zum 2. Schulhalbjahr 2025/2026 kommentiert Torsten Neumann, Vorsitzender des VNL – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, wie folgt:
„So erfreulich die Meldungen aus dem Kultusministerium auch sind, die Realität sieht an sehr vielen Schulen, insbesondere an den nicht-gymnasialen Schulformen im Sekundarbereich I, doch deutlich schlechter aus. Die durchschnittliche Unterrichtsversorgung an den Oberschulen liegt mit 92,7 Prozent noch einmal um -0,2 Prozent schlechter als im Vorjahr, an den Hauptschule, jetzt 90,6 Prozent, beträgt das Minus im Vergleich zum Vorjahr sogar fast 1 Prozent. Und das gerade an den Schulformen, die in der Sekundarstufe I überproportional die größte Last tragen, so zum Beispiel bei der Umsetzung der Inklusion und der Beschulung der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Hier muss dringend nachgesteuert werden, denn es geht schlichtweg um die Bildungschancen einer ganzen Generation.
Es bleibt dabei, die Unterrichtsversorgung an unseren Schulen ist insgesamt gesehen weiterhin schlecht. Auch wenn die Unterrichtsversorgung aller Schulen nach Zahlen etwas angestiegen ist, so ist dieses leichte Plus bei genauerem Hinsehen letztlich allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Lage ist und bleibt sehr ernst, wie jedes (Halb)Jahr. Mit einer durchschnittlichen Versorgung von nunmehr 97,2 Prozent sind wir von einer ordentlichen Unterrichtsversorgung immer noch weit entfernt, insbesondere wenn man auf die deutlich schlechtere Unterrichtsversorgung von lediglich durchschnittlich 93,6 Prozent bei allen nicht-gymnasialen Schulformen im Sekundarbereich I blickt. Dabei muss man wissen, dass selbst eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung im Schulalltag noch keine Vollversorgung bedeutet. Für diese bräuchte man eine Vertretungsreserve von 110 bis 120 Prozent, davon können wir jedoch nur träumen.
Obgleich zum Halbjahr erfreulicherweise wiederum eine große Anzahl von Stellen für neue Lehrkräfte ausgeschrieben worden ist, konnten bis jetzt lediglich 75 Prozent davon besetzt werden. Gerade im nicht gymnasialen Bereich der Sekundarstufe I wird die Unterrichtsversorgung weiterhin sehr angespannt bleiben – leider wie seit vielen Jahren.
Die übergroße Belastung aller an Schule Beschäftigten bleibt auch 2026 durch den eklatanten Lehrkräftemangel weiterhin bestehen. Es fehlen wirkungsvolle Maßnahmen zur Entlastung der über Gebühr belasteten Lehrkräfte. Es mangelt an unseren Schulen trotz vollmundiger Ankündigungen immer noch neben pädagogischen Mitarbeitenden Unterstützungspersonal im Schulsozialdienst und beim schulpsychologischen Dienst. Vor allem warten viele Schulen weiterhin auf den Einsatz multiprofessioneller Teams. Diese Maßnahmen wären zweifelsohne eine Entlastung für die Lehrkräfte. Wo bleibt die Entlastung der Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben wie zum Beispiel Lehrmittelausleihe, Reisekosten und Budgetverwaltung durch Einstellung von angemessen bezahlter Verwaltungsassistentinnen und -assistenten?
Die Lage ist und wird trotz einiger Lichtblicke sehr angespannt und belastend bleiben. Es bedarf weiterhin heftiger Anstrengungen.“