VNL - Statement zum Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2026"

VNL - Statement zum Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2026"

Den Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ kommentiert Torsten Neumann, Vorsitzender des VNL – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, wie folgt:

„Der Bildungsbericht 2026 ist kein Weckruf mehr. Er ist vielmehr die erneute Bestätigung dessen, was wir in der Praxis seit Jahren erleben. Er zeichnet ein ernüchterndes Bild des deutschen Bildungssystems. Besonders alarmierend ist, dass inzwischen fast ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die einen Mittleren Schulabschluss anstreben, die Mindeststandards in Mathematik verfehlt. Gleichzeitig verlassen rund acht Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss.

Seit Jahren werden die fachlichen Grundlagen in Deutsch, Mathematik und den Naturwissenschaften zugunsten immer neuer gesellschaftlicher Erwartungen an Schule zurückgedrängt. Schule kann jedoch nur dann ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, wenn zunächst die grundlegenden Kulturtechniken sicher beherrscht werden.

Besonders besorgniserregend ist die Feststellung, dass mittlerweile über 40 Prozent der Achtklässler als kompetenzschwach im Bereich der digitalen und informationsbezogenen Kompetenzen gelten. Dies zeigt deutlich, dass die bloße Ausstattung mit digitalen Endgeräten keine Bildungsqualität garantiert. Digitalisierung ersetzt weder guten Unterricht noch gut ausgebildete Lehrkräfte.

Der Bericht bestätigt zudem die dramatische Personalsituation. Obwohl so viele Menschen wie nie zuvor im Bildungssystem tätig sind, steigen die Engpässe weiter an. Dass mittlerweile etwa zwölf Prozent der Lehrkräfte keine anerkannte Lehramtsqualifikation besitzen, verdeutlicht die Folgen jahrelanger Fehlsteuerungen bei der Lehrerbedarfsplanung, auch in Niedersachsen.

Der Bericht macht erneut deutlich, dass die soziale Herkunft in Deutschland noch immer maßgeblich über Bildungschancen entscheidet. Dabei muss jedoch differenziert betrachtet werden, worin die Ursachen liegen. Schulen allein können gesellschaftliche Benachteiligungen nicht kompensieren. Wer Bildungsungleichheiten abbauen will, muss früh ansetzen: in der Sprachförderung, in der frühkindlichen Bildung, in der Familienunterstützung und bei der Integration. Aus Sicht des VNL ist es daher richtig, den Blick stärker auf die Zeit vor der Einschulung zu richten. Wenn Sprachdefizite erst in der Grundschule festgestellt werden, beginnt die Förderung bereits zu spät.

Bemerkenswert ist, dass nahezu alle im Bildungsbericht genannten Herausforderungen wie Lehrkräftemangel, sinkende Basiskompetenzen, zunehmende soziale Disparitäten, Integrationsaufgaben, Inklusion, Digitalisierung, steigende Verwaltungs- und Dokumentationspflichten seit Jahren bekannt sind. Es fehlt nicht an Erkenntnissen, sondern schlichtweg an konsequenter Umsetzung.

Während Bildungsberichte regelmäßig Defizite benennen, erleben Schulen gleichzeitig eine stetige Ausweitung ihrer Aufgaben. Immer neue Programme, Projekte und Dokumentationspflichten treffen auf Kollegien, die vielerorts bereits an ihrer Belastungsgrenze arbeiten.

Der VNL fordert deshalb einen bildungspolitischen Kurswechsel mit klaren Prioritäten. Es bedarf dringend einer Stärkung der Basiskompetenzen, frühzeitiger Sprachstandserhebungen, Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufs, einer realistischen Umsetzung von Inklusion und Integration sowie einer verlässlichen langfristigen statt kurzfristigen Bildungssteuerung. Die Probleme sind bekannt."

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