VNL - Statement zum Start des Schul-Chatbots 'telli'

VNL - Statement zum Start des Schul-Chatbots 'telli'

Verband Niedersächsischer Lehrkräfte: Einführung des Schul-Chatbots ‚telli‘ grundsätzlich positiv, aber: (noch) keine Entlastung der Lehrkräfte durch KI-Einsatz!

Den landesweiten Start des Schul-Chatbots ‚telli‘ kommentiert Torsten Neumann, Vorsitzender des VNL – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, wie folgt:

„Der VNL bewertet die Einführung des Schul-Chatbots ‚telli‘ grundsätzlich positiv. Künstliche Intelligenz ist längst Alltag und Schule muss deshalb KI-Kompetenz, Quellenkritik und Erkennen von Desinformation systematisch aufbauen. Ein schulischer, datenschutzkonformer Zugang ist dafür besser geeignet als Wildwuchs über private Accounts und kommerzielle Tools. ‚telli‘ ist gezielt für den Schulunterricht konzipiert und Teil des länderübergreifenden Projekts AIS (Adaptives Intelligentes System). Im Gegensatz zu kommerziellen Chatbots erfolgt bei ‚telli‘ das Hosting in der EU, eine Weitergabe von Nutzungsdaten ist ausgeschlossen.

Entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz von ‚telli‘ ist die effektive praxisnahe Fortbildung der Lehrkräfte mit einem Zeitbudget. Es muss einen funktionierenden technischen Support durch Fachkräfte geben, Schule kann und darf nicht die Rolle eines IT-Dienstleisters übernehmen. Die didaktische Autonomie der Lehrkräfte muss gewährleistet bleiben, ‚telli‘ ist ein Werkzeug, kein Curriculumersatz.

Der Einsatz von ‚telli‘ darf nicht an der mangelnden Ausstattung von Geräten/WLAN scheitern. KI darf nicht zu einem weiteren Hebel werden, der die jetzt schon bestehenden Unterschiede zwischen den Schulen und Regionen vergrößert. Die unterschiedliche Lehrkräfte- und Unterrichtsversorgung ist schon schlimm genug.

So hilfreich KI im Unterricht sein kann, von einer spürbaren Entlastung der Lehrkräfte kann nicht gesprochen werden. KI kann auch nicht die schlechte Unterrichtsversorgung vieler Schulen ausgleichen. Der Einsatz von KI darf nicht zu einer zusätzlichen Bürokratisierung wie Dokumentationspflichten, Listenführungen usw. führen, wir haben schon genug Bürokratie.

Wir begrüßen und unterstützen den Einstieg in KI-Bildung, aber ein landesweiter Chatbot ist nur dann ein Fortschritt, wenn er rechtssicher, ressourcengestützt und didaktisch sauber eingeführt wird. Sonst wird aus „Innovation“ schlicht die nächste Baustelle in den Schulen. Packen wir es gemeinsam an!“

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