VNL-Statement zum SWK-Gutachten

VNL-Statement zum SWK-Gutachten

Zum heute vorgestellten Gutachten „Empfehlungen zum Umgang mit dem akuten Lehrkräftemangel“ der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) erklärt Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL:

„Die Mitglieder der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) haben in Ihrer Empfehlung keine wirklich neuen Ideen eingebracht. Die Empfehlungen lesen sich wie das Drehbuch eines schlechten Filmes. Es ist erschreckend, dass es der Kommission mehr als bewusst ist, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen zusätzliche Belastungen für die im Dienst stehenden Lehrkräfte mit sich bringen werden.

Die Empfehlung, „Beschäftigungsreserven“ bei qualifizierten Lehrkräften zu erschließen, bedeutet einzig und allein eine nicht hinnehmbare Überbelastung der bereits am oder über dem Limit arbeitenden Lehrkräfte. Diese Lehrkräfte verzichten aus wichtigen Gründen auf einen erheblichen Teil ihrer Besoldung. Ältere Lehrkräfte haben ihre Unterrichtsverpflichtung aus Alters- und Gesundheitsgründen, jüngere dagegen aus familiären Gründen reduziert. Wenn Eltern im Lehrberuf ihr Stundenmaß nicht mehr der Machbarkeit anpassen können, ist eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr gewährleistet,. Die Folgen wären kontraproduktiv: Der Lehrkräftemangel wird sich weiter verstärken.

Selbst Konzepte wie des flipped classroom, computergestützten kollaborativen Lernens (CKL) oder tasked-based language learning, alles schöne Ideen, setzten voraus, dass Schülerinnen und Schüler trotzdem betreut werden müssen oder aber die notwendige Hardware mit Infrastruktur benötigen, um so eigenständig oder in Kleingruppen lernen zu können.

Nicht nachvollziehbar, auch als Ultima Ratio nicht, ist eine befristete Erhöhung der maximalen Klassenfrequenz in der Sekundarstufe I. Gerne darf das Konsortium einen Monat Lehrerdasein an einer Sek-I-Schule ausprobieren, um in der Schulrealität anzukommen.

Wer in seiner Empfehlung für die Kultusministerinnen und -minister mit solchen Ideen kommt, muss sich nicht wundern, wenn der Lehrkräftenachwuchs weiterhin ausbleiben wird. Mit dieser Sammlung an Maßnahmen wird Schule mit den dort Tätigen gegen die Wand gefahren. Die vorbeugenden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung wie Achtsamkeitstraining oder Informationsmanagement zu Angeboten der Grundversorgung klingen wie ein Hohn im Alltag der Kolleginnen und Kollegen.

Auch eine mögliche Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung stammt aus alten Zeiten und zeugt nicht von einem verantwortungsvollen Umgang mit Lehrkräften in der heutigen Zeit. Warum gehen denn so viele Kolleginnen und Kollegen frühzeitig in den Ruhestand oder reduzieren ihre Unterrichtsverpflichtung an den Schulen und verzichten damit freiwillig auf Geld? Sicherlich nicht, weil sie unter mangelnder Auslastung und vor übertriebener Gesundheit strotzen!“

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