VNL zum Schuljahresende 2025/2026
Schule braucht im neuen Schuljahr Verlässlichkeit, Fachlichkeit und Entlastung
Zum Ende des Schuljahres 2025/26 zieht der VNL – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte eine ernüchternde Bilanz: „Die Schulen in Niedersachsen haben erneut ein Jahr unter hoher Belastung, unzureichender Unterrichtsversorgung und immer neuen Reformankündigungen bewältigt. Die Kollegien haben mit großem Einsatz dafür gesorgt, dass Schule trotz schwieriger Rahmenbedingungen funktioniert. Das kann und darf aber nicht länger als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Unsere Schulen brauchen vor allem genügend Lehrkräfte, verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Entlastung. Stattdessen erleben viele Kollegien eine Reformdebatte nach der nächsten – häufig mit schönen Überschriften, aber ohne ausreichende Ressourcen“, erklärt Torsten Neumann, VNL-Landesvorsitzender.
Der VNL warnt davor, strukturelle Veränderungen als Lösung für Probleme zu verkaufen, die in Wahrheit durch Personalmangel, Überlastung und fehlende Unterstützung entstehen. Das gilt besonders für Debatten um Stufenlehrkräfte, neue Quereinstiegswege und ein gemeinsames Lehramt der Sekundarstufe I. „Natürlich brauchen wir zusätzliche Wege in den Lehrerberuf. Aber Qualität entsteht nicht durch Etikettenwechsel. Haupt-, Real- und Oberschulen brauchen keine abgespeckte Lehrkräftebildung, sondern hervorragend qualifizierte Lehrkräfte für eine anspruchsvolle Sekundarstufe I“, so Neumann.
Kritisch sieht der VNL auch die zunehmende Tendenz, eigenständige Fächer zu Verbundfächern zusammenzufassen. Naturwissenschaften können durchaus sinnvoll zusammenarbeiten, ebenso Geschichte, Erdkunde und Politik-Wirtschaft. Aber Biologie, Chemie und Physik sind nicht dasselbe. Ebenso wenig sind historische Urteilsbildung, geographisches Denken und politische Bildung beliebig austauschbar. „Fächerverbindungen dürfen pädagogisch begründet sein, aber sie darf nicht zur Mangelverwaltung werden. Wenn Fächer zusammengelegt werden, weil Fachlehrkräfte fehlen oder Stundenpläne einfacher werden sollen, ist das keine Innovation sondern fachlicher Rückbau mit modernem Namen“, erklärt Neumann.
Auch beim Startchancen-Programm sieht der VNL Licht und Schatten. Die Zielrichtung, Schulen in herausfordernder Lage stärker zu unterstützen, ist richtig. Die Umsetzung darf aber nicht dazu führen, dass gerade kleinere Schulen durch zusätzliche Konzepte, Netzwerktreffen, Dokumentationspflichten und Verwaltungsaufgaben weiter belastet werden. „Geld allein unterrichtet keine Klasse. Programme helfen nur dann, wenn sie in den Schulen tatsächlich als Personal, Zeit und Entlastung ankommen. Kleine Systeme brauchen keine zusätzlichen Steuerungsrunden, sondern Menschen, die vor Ort mitarbeiten: Schulsozialarbeit, pädagogische Mitarbeitende, Schulpsychologie, multiprofessionelle Teams und Verwaltungsunterstützung“, fordert Neumann.
Der VNL fordert deshalb zum Schuljahresende eine verlässliche Unterrichtsversorgung, den Erhalt fachlicher Qualität in der Sekundarstufe I, keine Zusammenlegung von Fächern als Ersatz für fehlende Fachlehrkräfte, echte Entlastung bei Programmen wie Startchancen sowie multiprofessionelle Teams, IT-Fachpersonal, Verwaltungsunterstützung und mehr Schulsozialarbeit an allen Schulen. Neumann abschließend: „Die Kolleginnen und Kollegen haben auch in diesem Schuljahr alles getan, damit Schule funktioniert. Dafür verdienen sie Dank und Respekt. Aber Dank ersetzt keine Unterrichtsstunde, keine Fachlehrkraft und keine Entlastung. Gute Bildung braucht Fachlichkeit, Verlässlichkeit und Menschen, die Zeit für Schülerinnen und Schüler haben.“