VNL zum Schulbarometer 2026 Lehrkräfte
Schulen können gesellschaftliche Probleme nicht länger allein auffangen
Der VNL - Verband Niedersächsischer Lehrkräfte sieht sich durch die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2026 in seinen langjährigen Forderungen bestätigt. Die Befragung zeigt deutlich, dass sich die Herausforderungen an Schulen weiter verschärfen. Besonders alarmierend ist, dass mittlerweile fast jede zweite Lehrkraft das Verhalten von Schülerinnen und Schülern als größte berufliche Herausforderung nennt.
„Die Ergebnisse überraschen uns nicht. Sie spiegeln exakt das wider, was Lehrkräfte in Niedersachsen jeden Tag erleben“, erklärt der Landesvorsitzende des VNL, Torsten Neumann. „Immer häufiger müssen Lehrkräfte Verhaltensauffälligkeiten, psychische Belastungen, Konflikte und soziale Probleme auffangen, während gleichzeitig die fachlichen Anforderungen steigen. Schule kann jedoch nicht dauerhaft sämtliche gesellschaftlichen Defizite kompensieren.“
Besonders deutlich wird dies beim Thema Schülerverhalten. Laut Schulbarometer nennen 46 Prozent der Lehrkräfte das Verhalten der Schülerinnen und Schüler als größte Herausforderung. Gegenüber den Vorjahren ist dieser Wert nochmals deutlich gestiegen.
„Wenn Lehrkräfte immer mehr Zeit für Konfliktmanagement, Beziehungsarbeit und Krisenintervention aufwenden müssen, fehlt diese Zeit zwangsläufig für Unterricht, individuelle Förderung und Leistungsentwicklung“, so Neumann weiter.
Der VNL begrüßt, dass die Studie erneut auf die Bedeutung multiprofessioneller Teams hinweist. Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Förderschullehrkräfte und weitere pädagogische Fachkräfte seien längst keine Ergänzung mehr, sondern eine notwendige Voraussetzung für erfolgreiche schulische Arbeit.
Kritisch bewertet der Verband zugleich die weiterhin unzureichenden Rahmenbedingungen für Inklusion. Dass mehr als die Hälfte der Lehrkräfte die derzeitige Form der inklusiven Beschulung nicht als für alle Schülerinnen und Schüler gewinnbringend bewertet, müsse Politik und Schulverwaltung zu denken geben. „Lehrkräfte lehnen Inklusion nicht ab. Sie lehnen eine Inklusion ohne ausreichende personelle und sachliche Ressourcen ab. Wer Inklusion will, muss sie auch finanzieren und organisatorisch absichern.“
Positiv bewertet der VNL die weiterhin hohe grundsätzliche Berufszufriedenheit der Lehrkräfte. Gleichzeitig sei es jedoch ein Warnsignal, dass mehr als ein Viertel der Befragten den Beruf wechseln würde, wenn sich eine realistische Alternative böte. Neumann weiter: „Die Kolleginnen und Kollegen lieben ihren Beruf. Was ihnen zunehmend zu schaffen macht, sind die Arbeitsbedingungen. Wer Lehrkräfte dauerhaft im Beruf halten will, muss endlich für spürbare Entlastungen sorgen.“
Auch die Ergebnisse zur Künstlichen Intelligenz zeigen nach Auffassung des VNL, dass Schulen längst weiter sind als manche politische Debatte. KI werde von vielen Lehrkräften bereits selbstverständlich genutzt. Nun brauche es rechtssichere Rahmenbedingungen, funktionierende technische Infrastruktur und praxisnahe Fortbildungsangebote.
Der VNL fordert daher:
- den flächendeckenden Ausbau multiprofessioneller Teams an allen Schulformen,
- verbindliche Maßnahmen zur Entlastung von Lehrkräften und Schulleitungen,
- eine realistische Ausstattung für Inklusion und individuelle Förderung,
- den konsequenten Abbau bürokratischer Belastungen,
- eine stärkere Konzentration auf die Kernaufgaben von Schule: Bildung, Erziehung und Qualifizierung.
„Die Ergebnisse des Schulbarometers zeigen deutlich: Nicht weitere Aufgaben, sondern bessere Rahmenbedingungen müssen jetzt im Mittelpunkt der Bildungspolitik stehen. Gute Bildung entsteht nicht durch immer neue Programme, sondern durch ausreichend Personal, verlässliche Unterstützung und Zeit für guten Unterricht“, so Neumann abschließend.